„Menschenrechte sind nicht verhandelbar“

Protestmarsch in Duderstadt für mehr Gleichstellung

Der Europäische Protesttag zur Gleichstellung für Menschen mit Behinderung, alljährlich am 5. Mai, steht 2026 unter dem Motto „Menschenrechte sind nicht verhandelbar“. In Duderstadt organisierte die Initiative „Inklusives Göttingen“ am 6. Mai mit Unterstützung der Aktion Mensch einen Protestmarsch für mehr Toleranz, Akzeptanz und Barrierefreiheit. Mit dabei waren zahlreiche Institutionen und Wohlfahrtsverbände, darunter die Caritas Südniedersachsen, die Lebenshilfe Eichsfeld, die Harz-Weser-Werke, die AWO, die Malteser und weitere, sowie Betroffene und Angehörige.

Der Marsch führte vom ZOB über den Sachsenring, Bahnhofstraße und Marktstraße bis zum Vorplatz der Basilika St. Cyriakus. Dort gab es eine Kundgebung und einen Markt der Möglichkeiten. Institutionen und Verbände, die sich in der Behindertenarbeit engagieren, informierten über ihre Angebote, luden ein zu Gesprächen oder versorgten die vielen Menschen vor der Oberkirche mit frischen Waffeln und Getränken. Den musikalischen Rahmen bot die Band „Geräuschpegel“ von den Harz-Weser-Werken Osterode.

  • Demonstrierende Menschen gehen.
    Hunderte Menschen protestieren für mehr Gleichstellung | Foto: Claudia Nachtwey / cps
  • Menschen versammeln sich auf der Straße
    Hunderte Menschen protestieren für mehr Gleichstellung | Foto: Nadine Rodens / Caritas
  • Menschen von hinten
    Hunderte Menschen protestieren für mehr Gleichstellung | Foto: Moritz Heller / Caritas
  • Menschen gehen und fahren in Rollstühlen
    Hunderte Menschen protestieren für mehr Gleichstellung | Foto: Nadine Rodens / Caritas
  • Eine Demozug von vorne.
    Hunderte Menschen protestieren für mehr Gleichstellung | Foto: Claudia Nachtwey / cps
  • Demonstrierende Menschen gehen.
    Hunderte Menschen protestieren für mehr Gleichstellung | Foto: Claudia Nachtwey / cps
  • Demonstrierende Menschen gehen.
    Hunderte Menschen protestieren für mehr Gleichstellung | Foto: Claudia Nachtwey / cps
  • Auf einer Bühne spricht jemand.
    Betroffene berichten von ihrer Lebenssituation | Foto: Claudia Nachtwey / cps
  • Auf einer Bühne sitzen zwei Personen und unterhalten sich.
    Karl Finke (links) kritisiert Sparpläne im sozialen Bereich. | Foto: Claudia Nachtwey / cps
  • Blick auf Stände und Menschen
    Markt der Möglichkeiten vor der Basilika St. Cyriakus | Foto: Claudia Nachtwey / cps
  • Blick auf den Caritas-Stand
    Gemeinsamer Stand der Caritas und der Geschäftsstelle „Inklusion bewegen“. | Foto: Claudia Nachtwey / cps
  • Eine Kinderhand malt.
    Es gab ein Mal- und Bastelangebot. | Foto: Claudia Colloseus / Caritas
  • Am Caritas-Stand wird gebastelt.
    Es gab ein Mal- und Bastelangebot. | Foto: Nadine Rodens / Caritas

Duderstadts Bürgermeister Thorsten Feike und die Duderstädter Behindertenbeauftragte Ilka Conrad begrüßten die Teilnehmenden und gedachten der kürzlich verstorbenen Behindertenbeauftragten Andrea Holzapfel, welche die Inklusion in Duderstadt nachhaltig mitgeprägt habe.

Betroffene erzählten auf der Bühne von ihren individuellen Lebenssituationen – mit körperlicher und psychischer Behinderung oder als Mutter eines behinderten Kindes – und betonten, dass ohne Einzelfallhilfen eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, an Schule und Arbeit oder an sozialen Kontakten nicht möglich sei. Sie appellierten an alle Entscheidungsträger, sich für Inklusion und Teilhabe in allen Lebensbereichen einzusetzen.

Als prominenter Gast betrat Karl Finke, ehemaliger langjähriger Niedersächsischer Landesbeauftragter für Menschen mit Behinderung und heute weiter engagiert in zahlreichen Gremien, die Bühne. Er knüpfte an die Themen der Betroffenen an und kritisierte die Einsparungspläne der Bundesregierung im Sozialbereich, mögliche Kürzungen oder den Wegfall von Leistungen wie der Einzelfallhilfe. „Die Kürzungen sind so nicht hinnehmbar“, meinte er und sprach sich für Mitentscheidung behinderter Menschen und Anerkennung ihrer Mündigkeit aus.

Inklusionskonferenz im Juni

Im Juni schließt sich in Duderstadt eine vom Landkreis Göttingen organisierte Inklusionskonferenz an. Die Geschäftsstelle „Inklusion bewegen“ lädt dazu am Mittwoch, 10. Juni 2026, ins Historische Rathaus ein. Mehrere Netzwerktreffen haben die Konferenz vorbereitet. Im Jugendgästehaus in Duderstadt trafen sich Menschen mit Beeinträchtigungen und Angehörige, um in Workshops Bedarfe und Ziele der Inklusion zu erarbeiten. Dabei standen die Themen Mobilität, Arbeit, Gesundheit/Pflege/Wohnen, Freizeit/Sport/Kultur, Bewusstsein/Kommunikation/Medien/Digitalisierung und Bildung/Erziehung im Fokus.

Ein weiteres Netzwerktreffen in Bovenden richtete sich an Fachkräfte, die sich mit Inklusion und Teilhabe im Landkreis Göttingen beschäftigen. Unter dem Titel „Mutausbruch“ appellierten die Teilnehmenden an alle Entscheidungsträger, Mut zu beweisen und Neues auszuprobieren, um beispielsweise niedrigschwellige Hilfsangebote zu ermöglichen.

Die Ergebnisse beider Netzwerktreffen sollen bei der Konferenz in Duderstadt unter dem Titel „Wie können wir Inklusion im Landkreis Göttingen gemeinsam bewegen?“ vorgestellt und weitergedacht werden. Eingeladen sind alle Interessierten, die eigene Ideen einbringen und sich weiter vernetzen möchten – Betroffene, Angehörige, Fachkräfte, Menschen aus Politik und Verwaltung, interessierte Bürgerinnen und Bürger.

Claudia Nachtwey


Inklusionskonferenz 2026 im Landkreis Göttingen

Mittwoch, 10. Juni 2026, 10 bis 15 Uhr
Historisches Rathaus Duderstadt
Marktstraße 66

Anmeldungen werden erbeten per Online-Formular:

https://umfragen.landkreisgoettingen.de/index.php?r=survey/index&sid=711971&lang=de