Aus gegebenem Anlass baten wir Pastorin Johanna Bierwirth um einen Besuch in unserer Carenagruppe, um mit unseren Gästen und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern über Sterben, Tod, Trauer und die Zeit danach zu sprechen.
Dieser Besuch fand kürzlich statt und war für alle Anwesenden sehr emotional, aber auch sehr hilfreich.
Sie sprach mit uns darüber, dass es, egal was man sagt, einfach immer weh tut. „Wenn man jemanden verloren hat und trauert, was will man denn da sagen? Die Person war schon alt oder vielleicht war das Erlösung, weil da eine Krankheit war – wirklich trösten tut das doch eigentlich nicht. Eigentlich ist es doch egal, ob jemand 70 oder 90 oder 100 war, eigentlich ist es auch egal, ob jemand krank war oder gesund.
Annäherung an das Thema über ein Buch
„Wenn jemand stirbt und da ist eine Lücke, dann tut das immer weh! … zu sagen, was ein bisschen trösten könnte, das geht immer gut, wenn man über das Leben ins Gespräch kommt. Wenn man erzählt, was hat diese Person ausgemacht, was haben wir an ihr geschätzt. Jeder Mensch hat es verdient, eine würdige Trauerfeier zu bekommen. Ich glaube, es tröstet eine Beerdigung zu machen“, sagte Bierwirth. Sie hatte ein Buch mitgebracht, eigentlich ist es ein Kinderbuch, welches aber so viel Klugheit und Weisheit enthält, dass es auch für uns Erwachsene sehr gut passt.
„Die besten Beerdigungen der Welt“ von Ulf Nilsson. Es handelt von ein paar Kindern, die auf die Idee kommen, wir machen jetzt mal eine Trauerfeier. Die Kinder beschließen, die Tiere, die sie finden, zu beerdigen, weil das alle verdient haben. Die Kinder sind von einer großen Heiligkeit ergriffen und stellen fest: das Leben geht einfach weiter und „am nächsten Tag machen sie dann etwas ganz anderes.“ Frau Bierwirth: „Es ist in Ordnung, es zu machen wie die Kinder. Einfach etwas anderes zu machen, die Trauer kurz beiseitezulegen, sich mit anderen Dingen beschäftigen, andere Menschen zu treffen und dann auch immer wieder die Trauer zuzulassen. Leider ist es für uns Erwachsene viel schwieriger. Für uns Erwachsene ist das viel deutlicher, wie endgültig das ist, was es bedeutet, und dann begleitet einen die Trauer viel stärker. Es ist schwieriger, in den Alltag wieder reinzukommen. Dann ist es natürlich schön, wenn man Erinnerungen immer wieder hervorholt. Das ist traurig und schön zugleich. Schön, weil man sich an etwas erinnert und traurig, weil man auch weiß, es ist nur noch eine Erinnerung.“ Frau Bierwirth hatte für uns alle klitzekleine Spiegelsteine mitgebracht. Die „auf der einen Seite schön anzuschauen sind, aber es tut auch ein bisschen weh, sie in der Hand zu halten. Wenn man nicht aufpasst, kann man sich auch daran schneiden. Und so ein geliebter Mensch hinterlässt bei den Menschen, die da bleiben, ganz unterschiedliche Erinnerungen. Je nachdem, wer in den Spiegel reinguckt, sieht man etwas anderes.“
Erinnerungen an Verstorbene miteinander teilen
Wir kamen in der Gruppe ins Gespräch darüber, welche Erinnerungen wir mit den Menschen teilen, die erst kürzlich aus unserer Gruppe verstorben waren, wie zum Beispiel mit unserem Horst Schulze. Er war seit vielen Jahren ehrenamtlicher Helfer und unterstützte uns immer sehr. Egal ob direkt an den Carena-Nachmittagen oder wenn er bei unseren Weihnachtsfeiern mit den Mackenröder Blasmusikanten am Schlagzeug saß. Horst war einfach immer da. Er war Hilfe in jeglicher Art und Weise. Egal, ob die Kaffeemaschine kaputt war, der Aufzug streikte, egal, Horst hatte eine Lösung parat. Es war für ihn selbstverständlich so hilfsbereit zu sein und sich zu kümmern. Er wird uns fehlen. Es gab kein Problem, das er nicht gelöst hat. Er war Fels und Ruhepol in der Brandung. Erinnert wurde auch an Helga Deutsch, das Ebergötzer Urgestein aus der Bergstraße. Sie blieb immer bis zuletzt und ihre herzliche Art ist unvergessen, ebenso wie ihre Sätze: „weißt du Bescheid“, „sing doch mal“, und „genauso isses“. Ja, Erinnerungen sind schön.
Am Ende wies Frau Bierwirth darauf hin, dass man mit ihr einen Termin vereinbaren kann, wenn man über seine eigene Trauerfeier sprechen möchte, egal welcher Religion man zugehörig ist. Getauft sollte man sein. Auch wenn es ein schwieriges Thema ist, kann man jetzt schon mit ihr besprechen, zum Beispiel was gesagt werden soll und welche Lieder gesungen werden sollen. Man kann seine Erinnerungen teilen und Gestaltungswünsche festlegen. Das „Dokument“ kommt dann sicher verschlossen in einen Schrank im Büro der Pastorin. Dies kann für die Angehörigen eine große Entlastung sein. Gern steht Frau Bierwirth auch zur Verfügung, um über eigene Trauer zu sprechen, egal wie lange diese zurückliegt.
Wir danken Pastorin Johanna Bierwirth von Herzen für ihren Besuch und ihre Unterstützung für uns, unsere ehrenamtlichen Helfer und unsere Gäste.
Beate Kracht
Anja Müller
Annett Keisenberg
