Zehn Jahre Tagespflege St. Vinzenz Gieboldehausen

275 Tagesgäste in zehn Jahren: eine Woche lang wurde gefeiert, Tag der offenen Tür als Abschluss

Ihr 10-jähriges Bestehen hat die Caritas-Tagespflege St. Vinzenz Gieboldehausen mit einem Tag der offenen Tür gefeiert. Mehr als 100 Tagesgäste, deren Angehörige und Interessierte sind der Einladung gefolgt, auf dem Programm stand ein Wortgottesdienst, Danksagungen und ein kleines Konzert des Männergesangvereins Concordia Bilshausen. Bis 16 Uhr war bei guter Stimmung Zeit für bereichernde Begegnungen.

Kurz vor 11 Uhr war der mit bunten Wimpeln geschmückte Festsaal schon fast voll, eifrig wurden noch Stühle geholt, um allen Gästen Platz zu bieten. Mit dem regen Zulauf schon zu Beginn hatte die Leiterin der Tagespflege, Melanie Petroschka, nicht gerechnet.

  • Das Foto zeigt  Menschen mit einem Insektenhotel und einem Rosenstrauch.
    Simone Lojda (rechts) überreicht gemeinsam mit (von links) Ralf Regenhardt und Isabel Lubojanski ein Insektenhotel und ein Rosenstämmchen an die Leiterin der Tagespflege, Melanie Petroschka. | Foto: Caritas
  • Das Foto zeigt eine Frau, die in eine Mikrofon spricht, dahinter steht ein Mann.
    Ralf Regenhardt ehrt Helga Gödecke. | Foto: Caritas
  • Das Foto zeigt eine Frau, die in ein Mikrofon singt.
    Es macht Spaß, Johanna Otto zuzuhören. | Foto: Caritas
  • Das Foto zeigt eine Gruppe Menschen, die unter einem roten Pavillon an einer Birbank sitzen.
    Auch auf der Terrasse und im Garten ließen es sich die Festgäste gutgehen. | Foto: Ute Lawrenz
  • Das Foto zeigt Menschen, die im Schatten auf einer Terrasse sitzen.
    Auch auf der Terrasse und im Garten ließen es sich die Festgäste gutgehen. | Foto: Ute Lawrenz
  • Das Foto zeigt Menschen im Gespräch.
    Auch auf der Terrasse und im Garten ließen es sich die Festgäste gutgehen. | Foto: Ute Lawrenz
  • Das Foto zeigt die Mitarbeitenden, alle tragen rote T-Shirts.
    Applaus für die Mitarbeitenden in der Tagespflege St. Vinzenz Gieboldehausen. | Foto: Ute Lawrenz
  • Das Foto zeigt einen Männerchor, alle sind schwarz gekleidet.
    Der MGV Concordia Bilshausen gratuliert mit einem kleinen Konzert. | Foto: Ute Lawrenz
  • Das Foto zeigt eine Frau, die an einem Basartisch das Angebot anschaut.
    Johanna Otto sucht auf dem Basar Geschenke und Erinnerungen aus. | Foto: Ute Lawrenz

Mit dem zum Anlass passenden Lied „Lobe den Herren“, begleitet vom bewährten Raimund Hobrecht (87) an der Orgel, begann Pfarrer Matthias Kaminski den Gottesdienst. Schon bei der Eröffnung der Tagespflege sei er dabei gewesen, er habe den heiligen St. Vinzenz von Paulus als Namensgeber vorgeschlagen. 

Dann erzählte er die Geschichte des Heiligen, der 1581 in einer Bauernfamilie in Frankreich zur Welt kam. Wegen des Geldes will der junge Mann Priester werden, damit will er seine Angehörigen unterstützen. Doch er wird von Piraten verschleppt, als Sklave verkauft. Zwar kann er fliehen, doch mit der Erfahrung von Armut, Gewalt und Flucht nimmt er die Armen und Kranken in den Blick. Als er als Gemeindepfarrer einer Familie in Not helfen will, erkennt er: „Ich muss die Hilfe koordinieren!“ Dadurch seien Gemeinschaften wie die barmherzigen Schwestern der Vinzentinerinnen entstanden, Pfarrgemeinden hätte begonnen, Hilfsvereine ins Leben zu rufen - bis heute seien solche Vereine nach dem heiligen Vinzenz benannt.

Einst Tanzlokal und Disco-Scheune

Mit einer Würdigung der Tagesgäste, der Mitarbeitenden und der Ehrenamtlichen beschloss Kaminski den Gottesdienst. Sie alle trügen dazu bei, dass das Leben schön sein könne, auch im Alter und trotz Schicksalsschlägen. Wenn sich die Einrichtung mit viel Herz immer wieder an ihrem Namensgeber orientiere, habe dieses Haus eine gute Zukunft, beschloss Kaminiski den Gottesdienst. 

Für wohlklingende Abwechslung in der Feierstunde trug Johanna Otto mit zwei Liedern bei. Die junge Frau, die schon seit früher Kindheit durch eine halbseitige Lähmung beeinträchtigt ist, blickt erwartungsvoll ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) ab Dezember 2026 in der Tagespflege St. Vinzenz Gieboldehausen entgegen. 

An die Vergangenheit des Ortes erst als Tanzlokal „Tante Paula“ und später als Disco-Scheune erinnerte der Vorstandsvorsitzende der Caritas Südniedersachsen, Ralf Regenhardt. Vor zehn Jahren sei hier die Eröffnung einer Einrichtung gefeiert worden, die älteren und pflegebedürftigen Menschen einen Ort der Teilhabe schenken wollte. Diese Vision sei Wirklichkeit geworden. „Was hier an Fürsorge, Fachlichkeit, Herzlichkeit und Engagement geleistet wird, lässt sich nicht in Zahlen messen“, beschrieb Regenhardt den Einsatz von vierzehn Mitarbeitenden im Pflegedienst - acht von ihnen sind seit dem ersten Tag dabei -, sechs weitere erledigen den Fahrdienst. 

Bis zu 22 Tagesgäste gleichzeitig

Besonderen Dank sprach Regenhardt der ehrenamtlichen Heimfürsprecherin Helga Gödecke aus, die in der Einrichtung regelmäßig Wortgottesdienste gestaltet. Sie betonte, dass die leuchtenden Augen der Tagesgäste für sie der schönste Lohn seien, und versprach erst aufzuhören, wenn sie selbst als Gast in die Tagespflege käme. 

275 Tagesgäste habe ihr Team seit der Eröffnung begleitet, stellte Tagespflegeleiterin Petroschka heraus und erinnerte an die Corona-Pandemie als bisher schwierigste Zeit der Einrichtung, in der bis zu 22 Tagesgäste gleichzeitig betreut werden können. Deren handgefertigte Bastelarbeiten konnten die Besucher an einem Basarstand gegen eine Spende mitnehmen.

Simone Lojda, im Caritas-Verband Südniedersachsen Geschäftsbereichsleiterin für Altenhilfe und Pflege, berichtete, dass in der Obertorstraße 60 das Zehnjährige schon die ganze Woche gefeiert worden sei. Zum Dank für das große Engagement brachte sie ein Rosenstämmchen und ein Insektenhotel mit und erklärte deren symbolischen Wert für die Tagespflege St. Vinzenz. Die Rose stehe für Wertschätzung, Freude, Beständigkeit und Wachstum, das Insektenhotel symbolisiere Gemeinschaft. 

„Eine tolle Sache“

„Meine Mutter kommt zweimal in der Woche zur Tagespflege“, erzählt Tobias Jaeschke (49) aus Bilshausen von seiner 78-jährigen Mutter, die beim Gottesdienst einen Platz in der ersten Reihe hat. Mit einem Tag habe sie angefangen, schnell hätten sie einen zweiten Tag dazu genommen. Seine Mutter fühle sich dort sehr wohl. „Es ist alles sehr persönlich und familiär“, lobt Jaeschke. Die Kosten seien über den Pflegegrad der Mutter abgedeckt, auf den Platz hätten sie nicht lange warten müssen. Den ersten Tag hätten sie innerhalb von zwei Wochen bekommen, mit dem zweiten habe es ein wenig länger gedauert. 

Wie Jaeschkes Mutter ist auch Dorothea Franz (74) In der Tagespflege St. Vinzenz Gieboldehausen zufrieden. Nach einem Schlaganfall habe sie sich den Platz dort ausgesucht, erzählt sie. An Kontakt mangelt es ihr augenscheinlich nicht. Sie sitzt am Tisch mit fünf weiteren Frauen, die wie sie alle aus Rhumspringe kommen.

Eine andere Besucherin der Feier ist weder Tagesgast noch Angehörige. Sie ist gekommen, weil ihre Schwester in der Einrichtung mitarbeitet. In Gieboldehausen sei die Tagespflege gut etabliert, aus ihrer Sicht ist es „eine tolle Sache“.

Ute Lawrenz