Erste Runde des StarKids-Programms in den Caritas-Kitas erfolgreich, teilnehmende Kita-Einrichtungen ab 2027 gesucht.
Nach drei Jahren ist das Programm StarKids zur Gesundheitsförderung und Suchtprävention in den Kindertagesstätten der Caritas Südniedersachsen erfolgreich beendet worden. Alle beteiligten Erzieherinnen und Erzieher erhielten ihre Zertifikate. Jens Pook, Suchtberater bei der Caritas, weiß aber: Im kommenden Jahr soll eine Neuauflage starten, dann auch für Kitas, die nicht unter der Trägerschaft der Caritas stehen.
Ziel des Programms StarKids ist es, Erzieherinnen und Erzieher in ihren Kompetenzen zur Suchtprävention zu stärken und schon bei Kita-Kindern Schutzfaktoren aufzubauen. Über drei Jahre hat sich der Arbeitskreis der Teilnehmenden etwa alle sechs bis acht Wochen getroffen, um verschiedene Themenbereiche zu erarbeiten. „Dabei geht es beispielsweise um Konsum und Genuss, um emotionale Kompetenzen, Konfliktfähigkeit und Lebenskompetenzen“, erklärte Jens Pook, der den Arbeitskreis initiiert und begleitet hat.
Zwar ist die Suchtprävention auch Teil der klassischen Erzieher:innenausbildung, dennoch bestätigten alle Arbeitskreis-Mitglieder, dass sie aus dem dreijährigen Programm viele Anregungen mitgenommen haben. „Es war hilfreich, dass so unterschiedliche Einrichtungen teilnahmen und wir damit ganz verschiedene Blickwinkel kennengelernt haben“, meinte Sabrina Mitzinneck, Erzieherin in der KiTa für ALLE im Inklusiven Campus Duderstadt. Ihre Kollegin Celine Gräbe ergänzte: „Die Themen wurden hier tiefgründiger behandelt als in der Ausbildung. Neben Alkohol- und Drogenmissbrauch spielen heute Medien und Konsum eine wichtige Rolle bei der Suchtprävention.“
In der Tagesstätte St. Raphael in Duderstadt werden Grundschulkinder und Jugendliche unterrichtet und gefördert. „Sucht wird heute eher als Problem anerkannt, und ein pädagogisches Ziel ist ein offener Umgang damit“, erklärte Nadine Rodens, die Leiterin der Tagesstätte. Dennoch sei das Problem nicht zu unterschätzen. Insbesondere der Umgang mit Medien habe sich stark verändert, bestätigte ihre Kollegin Kathrin Moritz. „Die größeren Kinder nehmen bewusster wahr, wie die Eltern sich verhalten. Je nach Ausprägung der Sucht werden Kinder später auch selbst süchtig“, warnt sie. Daher sei es Ziel der Prävention, Kinder stark zu machen und sie darin zu fördern, mit ihren eigenen Gefühlen umzugehen.
Weniger Reize durch selbstgebasteltes Spielzeug
Kerstin Falkuß, Leiterin des Sprachheilkindergartens St. Hildegard und der Kindertagesstätte St. Godehard I in Göttingen, und ihre Kollegin Kati Dyba betonten, dass auch die Zusammenhänge der Sucht in der Arbeitsgruppe deutlicher hervorgehoben wurden als in ihrer Ausbildung, die schon einige Jahre zurück liege. Mit Reizüberflutung habe sich das Umfeld von Kindern, aber auch der Umgang mit Eltern sehr verändert.
Lösungswege wurden während des StarKids-Programms ebenfalls betrachtet. Unter dem Motto „Miteinander stark“ wurden die Kinder mit einbezogen und in ihrer Kreativität gefördert. Das wurde beispielsweise erreicht, indem sie aus einfachen Alltagsgegenständen wie Korken und Bechern selbst ihr Spielzeug gestalten sollten, statt vorgegebenes Spielzeug zu „konsumieren“. Im nächsten Schritt wurde das Spielzeug komplett reduziert. „Da waren auch Eltern erst skeptisch, aber dennoch wurde diese Maßnahme ein voller Erfolg“, sagte Jens Pook.
Alle Mitglieder der Arbeitsgruppe waren besonders beeindruckt davon, dass die Kinder schon nach kurzer Zeit ohne das übliche Spielzeug viel ruhiger und gelassener wurden, es gab weniger Konflikte und Regeln wurden besser eingehalten. Weniger Reize hatten einen positiven Einfluss auf Kreativität und Gemeinschaft.
„Sucht kommt selten allein“
Um das Personal in Kitas langfristig für Suchtthemen zu sensibilisieren, sei Weiterbildung und Austausch – bestenfalls auch mit den Eltern – sinnvoll, weiß Jens Pook. Letzteres sei nicht immer einfach. „In suchtbelasteten Familien spielt oft Scham eine Rolle, man versucht die Sucht geheim zu halten.“ Dabei käme nur ein Drittel der Kinder aus suchtbelasteten Familien unbeschadet durchs Leben, zwei Drittel würden später selbst an psychischen Erkrankungen leiden.
„Sucht kommt selten allein“, erklärte Jens Pook und erläuterte, dass oft auch Depression, Angststörungen, ADHS, Autismus, Vereinsamung, Mobbing oder die Frage nach der eigenen Identität, auch geschlechtlichen, zum vermeintlichen Fluchtweg in eine Sucht beitragen könnten. Um möglichst flächendeckend das Kita-Personal zu sensibilisieren und zu vernetzen, soll im kommenden Jahr eine neue Arbeitsgruppe gegründet werden. Dazu bestehe bereits ein Austausch mit dem Projekt PaC – Prävention als Chance, unterstützt vom Landkreis Göttingen, um eine Kooperation anzustreben.
Zum Abschluss der Erstauflage des dreijährigen StarKids-Programms erhielten die Arbeitsgruppen-Mitglieder ihre Zertifikate für eine erfolgreiche Teilnahme. Moritz Heller vom Campus-Leitungsteam und selbst Teilnehmer der Weiterbildung, bedankte sich im Namen aller bei Jens Pook für seine Initiative und für den konstruktiven Erfahrungsaustausch.
Claudia Nachtwey
StarKids 2027 bis 2030
Ab 2027 soll es eine neue dreijährige Präventionsfortbildung „StarKids“ für Mitarbeitende in Kindertageseinrichtungen geben. Interessierte Einrichtungen aus und um Duderstadt können sich schon jetzt für weitere Informationen und eine Anmeldung an die Suchtberatung der Caritas in Duderstadt wenden, per E-Mail: suchtberatung@caritas-suedniedersachsen.de oder Telefon: 0 55 27 / 98 13-60.
